Zunahme von Ver- und Überschuldung: AWO fordert Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung

07.06.2021

Unter dem Titel „Unsere Handschrift ist Gerechtigkeit – Armutsfalle Zahlungsschwierigkeiten“ veröffentlicht die AWO NRW ein Positionspapier zur Armutsgefährdung von ver- und überschuldeten Menschen. Zeitgleich rückt eine bundesweite Aktionswoche unter dem Motto „Der Mensch hinter den Schulden“ vom heutigen Montag bis 11. Juni die Einzelschicksale und individuellen Lebenssituationen in den Fokus.

„Landesweit nehmen jährlich allein über 83.000 Menschen die Beratung der AWO Schuldnerberatungsstelle in Anspruch“, sagt Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer der AWO NRW. „Anlässlich der Aktionswoche wollen wir den Finger in die Wunde legen und fordern einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung.“ Das Positionspapier, das die AWO NRW zur Aktionswoche veröffentlicht, bündelt neun zentrale Forderungen, die sich auf die Prävention von Liquiditätsproblemen, der Weiterentwicklung des Unterstützungssystems und der Nachbesserung bei der Entschuldung beziehen.

Seit vielen Jahren beraten und begleiten AWO-Fachleute Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten. „Die Corona-Pandemie verschärft die Verschuldung“, berichtet AWO-Fachreferentin Xenja Winziger und ergänzt: „Viele Menschen müssen wegen Kurzarbeit mit weniger Einkommen leben. In der Folge können Kredite nicht mehr bezahlt werden und die Betroffenen geraten in die Schuldenfalle.“

Erfahrungsgemäß nehmen die Menschen eine Schuldnerberatung sehr spät in Anspruch. Ein Leben ohne Geld bedeutet oft über Jahre die Ausgaben des täglichen Lebens, wie Strom, Miete und Wasser im Blick zu behalten. Gerade die Fixkosten machen einen Großteil des Budgets aus. An vielen Stellen wird gespart und falls dennoch Anschaffungen anstehen, ist das ein finanzieller Kraftakt. Der andauernde Stress belastet die Menschen und ihre Familien sehr. Fachleute raten, sich frühzeitig an die Beratungsstelle zu wenden. Eine Budgetberatung oder die Ausstellung der so genannten P-Konto-Bescheinigung können verhindern, dass sich die Schuldenspirale unkontrolliert weiterdreht.

Welche Auswirkungen die Pandemie habe, sei derzeit noch nicht absehbar. „Die Zahl der Betroffenen ist merklich gestiegen,“ berichtet Philipp Hennen, AWO-Fachberater und gleichzeitig Leiter der Beratungsstelle in Essen. „Sorgen bereitet uns eine neue Welle an Anfragen, wenn sich der örtliche Einzelhandel und die kleinen Wirtschaftsunternehmen nicht vollständig von der Krise erholen. Dort stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel und damit auch die finanzielle Absicherung der Menschen und ihrer Familien.“

Das Positionspapier finden Sie hier: AWO NRW Position Armutsfalle

Die Pressemitteilung als PDF finden Sie hier.

 

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