Dortmund/Berlin, den 24. Juni 2026 - Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) stellt sich deutlich gegen Rentenkürzungen und warnt vor den Folgen weiterer Einschnitte in die gesetzliche Alterssicherung. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das das Präsidium des Wohlfahrtsverbands anlässlich der erwarteten Empfehlungen der Rentenkommission verabschiedet hat. AWO-Präsident Michael Groß (Marl) erklärt dazu:
„Der Konflikt bei der Rente verläuft nicht zwischen Jung und Alt – sondern zwischen Arm und Reich. Immer mehr Menschen können im Alter nicht von ihrer Rente leben. Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, Altersarmut endlich wirksam zu bekämpfen. Wer ein Leben lang hart gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, muss sich darauf verlassen können, im Alter würdevoll und ohne Existenzängste leben zu können. Kürzungen auf dem Rücken von Menschen, die eh schon nicht viel haben, dürfen keine Option sein. Die neuen Schlechterstellungen, die durch die Pflegereform für pflegende Angehörige drohen, werden die Lage weiter verschärfen."
Die AWO fordert stattdessen nachdrücklich, die gesetzliche Rentenversicherung als zentrale Säule der Alterssicherung zu stärken.
Dem stimmt der Vorsitzende der AWO in NRW, Michael Scheffler, uneingeschränkt zu.
„Fundamental für eine sichere Rente ist, dass alle Erwerbstätigen, egal ob Arbeitnehmer, Selbstständige und natürlich auch Beamte in das System einzahlen. Insbesondere höhere Einkommen müssen, zum Beispiel durch die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, herangezogen werden.“
Allein die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, deren verfassungsrechtliche Zulässigkeit außer Frage steht, würde kurzfristig Einnahmen in Höhe von rund 20 Milliarden Euro erbringen.
Darüber hinaus spricht sich die AWO für eine stärkere Beteiligung von Kapital-, Miet- und Pachteinkünften an der Finanzierung der Alterssicherung aus.
Ablehnend äußert sich Scheffler auch zu einer Anhebung des Rentenalters: „Insbesondere in einem Land wie NRW, in dem die Berufsbiografien vieler Menschen noch durch Industriearbeit geprägt wurden, ist die Anhebung des Renteneintrittsalters nicht angemessen. Für die Menschen in unserem Land hat die Rentengerechtigkeit einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist für das Vertrauen in unsere Demokratie von ganz entscheidender Bedeutung.“