Ministerpräsident Wüst: Aus einsamen Kindern dürfen keine einsamen Erwachsenen werden
Einsamkeit im Grundschulalter rückt zunehmend in den Blick von Politik und Fachpraxis. Dazu hat die Landesregierung gemeinsam mit der Sozialstiftung NRW und der Arbeiterwohlfahrt Westliches Westfalen das Forschungsprojekt „Inspire Youth“ gestartet. Es untersucht an zehn Offenen Ganztagsschulen in Nordrhein-Westfalen, wie Kinder Einsamkeit erleben und wie sie damit umgehen. Mit der Studie werden erstmals Zahlen zur Einsamkeitsbelastung von Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Ziel ist es, Gefühle der Einsamkeit bei Kindern im Schulalltag frühzeitig zu erkennen und wirksam vorzubeugen. Auch Eltern werden eingebunden, um sie für eine frühe Sensibilisierung für Einsamkeitsempfinden zu gewinnen. Es werden konkrete Möglichkeiten erforscht, wie Einsamkeit bewältigt werden kann, bevor sie zu psychischen Belastungen führt. Erste Zwischenergebnisse wurden im Rahmen einer Fachkonferenz am Montag, 16. März 2026, in Gelsenkirchen präsentiert.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Einsamkeit ist die neue soziale Frage unserer Zeit – und sie betrifft längst nicht nur ältere Menschen. Immer mehr Kinder und Jugendliche fühlen sich einsam, oft mit weitreichenden Folgen für ihre Entwicklung und ihre Zukunftschancen. Unser Auftrag ist klar: Aus einsamen Kindern dürfen keine einsamen Erwachsenen werden. Deshalb ist es wichtig, dass junge Menschen frühzeitig Gemeinschaft erleben, Vertrauen aufbauen und neue Perspektiven entwickeln können. ‚Inspire Youth‘ erreicht Kinder genau dort, wo sie einen großen Teil ihres Alltags verbringen: in Offenen Ganztagsschulen. Gemeinsames Erleben und Lernen stärkt ihre sozialen Fähigkeiten. Durch die Einbindung von Lehrkräften, Eltern und Ehrenamtlichen entsteht ein verlässliches und breites Unterstützungsnetzwerk, das langfristig wirkt. Denn wer den Kampf gegen Einsamkeit früh angeht, stärkt den Einzelnen und damit auch den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“
Michael Scheffler, Vorsitzender AWO Bezirk Westliches Westfalen e.V.: „Mit unserem Modellprojekt ‚Inspire Youth’ nehmen wir gemeinsam mit der Sozialstiftung NRW und der Staatskanzlei eine Zielgruppe in den Blick, die unsere besondere Aufmerksamkeit verdient: Kinder im Grundschulalter. In Kooperation mit dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. werden wir zentrale Erkenntnisse zum Erleben von Einsamkeit im Kindesalter erlangen. Darauf aufbauend werden wir gezielte Maßnahmen erproben, um Kinder zu stärken und das schulische System insgesamt dabei zu unterstützen, Einsamkeitsprävention professionell zu verankern.”
Insgesamt wurden 428 Kinder der zweiten, dritten und vierten Klassen an zehn Schulen in Bottrop und Gelsenkirchen mit Sozialindex 6 oder höher befragt. 32,9 Prozent der Befragten fühlten sich nie, 31,2 Prozent selten und 24 Prozent manchmal einsam. 8,6 Prozent der befragten Kinder fühlten sich oft einsam, während 3,3 Prozent angaben, sich immer einsam zu fühlen (Zusammensetzung der Stichprobe: 44,6 Prozent Jungen und 55,4 Prozent Mädchen).
89 Prozent der befragten Kinder hatte eine Bewältigungsstrategie. Diese zeigt sich überwiegend beziehungsorientiert (bei Einsamkeit Kontakt aufnehmen, Rückzug oder Erwachsene einbeziehen). Kinder mit stärkerer Einsamkeitsbelastung nannten eher selbstregulative Strategien (z.B. alleine Musikhören).
Link zur Studie: https://www.iss-ffm.de/fileadmin/assets/veroeffentlichungen/downloads/260311_Bericht_Einsamkeit_im_Grundschulalter_AWO_ISS.pdf