INSPIRE YOUTH - Einsamkeitsprävention bei Kindern im Grundschulalter
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Einsamkeit im Grundschulalter
Einsamkeit im Grundschulalter rückt zunehmend in den Blick von Politik und Fachpraxis. Dazu hat der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen gemeinsam mit der Landesregierung NRW, der Sozialstiftung NRW und dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS) das Modellprojekt „Inspire Youth“ gestartet. „Inspire Youth“ untersucht in Kooperation mit der AWO Ruhr-Mitte und der AWO Gelsenkirchen/Bottrop an zehn Offenen Ganztagsschulen in Bochum, Herne und Gelsenkirchen, wie Grundschulkinder Einsamkeit verstehen und wie sie damit umgehen.
Das Projekt zielt darauf ab, die Einsamkeitsprävention auf drei Ebenen zu verankern:
- Kinder: Förderung des sozialen Zusammenhalts und der emotionalen Kompetenz
- Erwachsene Bezugspersonen (Eltern, Lehrer*innen, pädagogische Fachkräfte): Aufbau der Einsamkeitspräventionskompetenz im professionellen und elterlichen Handeln
- Organisation der OGS:
Verankerung der Einsamkeitsprävention im Qualitätsmanagement + pädagogischen Konzept der OGS:
- Förderung der Schüler*innen
- Empowerment der Eltern
- Unterstützung der OGS/päd. Fachkräfte
- Etablierung der Einsamkeitsprävention als Qualitätskriterium
Es ist die erste Studie, die sich in NRW mit diesem Thema befasst. Erste Zwischenergebnisse des Forschungsprojektes zeigen, dass 32,9 % der Kinder angaben, nie einsam zu sein, 31,2 % selten, 24,0 % manchmal, 8,6 % oft und 3,3 % immer.
Im Zuge der Forschung hat sich gezeigt, dass Kinder, die Deutsch als Muttersprache sprechen, deutlich weniger Schwierigkeiten hatten, den Begriff „Einsamkeit“ zu verstehen oder zu erklären. Viele Kinder im Grundschulalter wissen, was Einsamkeit bedeutet - ihr Verständnis variiert jedoch stark und ist häufig sprachlich begrenzt. Dies weist auf ein zentrales Zugangsproblem hin: Wenn Kinder das Gefühl sprachlich nicht erfassen können, ist es auch schwieriger, darüber zu sprechen oder Hilfe anzunehmen.
Entsprechend sollten künftige Maßnahmen sprachlich und kulturell sensibel gestaltet werden, um allen Kindern den Zugang zu Themen wie Einsamkeit, Emotionen und Beziehungen zu ermöglichen.
Darüber hinaus zeigt sich, dass Kinder Einsamkeit vor allem als unmittelbar soziales und situatives Phänomen verstehen – also als etwas, das in ihren Beziehungen zu Gleichaltrigen entsteht, etwa wenn sie sich ausgeschlossen fühlen oder niemanden zum Spielen finden. Einsamkeitserfahrungen werden somit in erster Linie im schulischen und peerbezogenen Kontext erlebt. „Das unterstreicht, dass Schulen zentrale Orte für die Prävention und den Umgang mit Einsamkeit darstellen: Hier verbringen Kinder den Großteil ihres Tages, hier entstehen Freundschaften, Zugehörigkeit und soziale Anerkennung – oder eben Erfahrungen von Zurückweisung und Isolation“, fasst Muna Hischma eine wichtige Erkenntnis des Zwischenberichts zusammen.
Auch die Befunde zu den Bewältigungsstrategien verdeutlichen, dass Kinder über vielfältige, aber unterschiedlich wirksame Strategien im Umgang mit Einsamkeit verfügen. Während viele Kinder aktiv nach neuen Kontakten suchen oder sich an Erwachsene wenden, greifen stärker belastete Kinder häufiger auf selbstregulative Strategien zurück, etwa Rückzug, Ablenkung oder – in Einzelfällen – ein vollständiges „Herunterfahren“. Diese Tendenzen zeigen, dass manche Kinder über ausreichende soziale und emotionale Ressourcen verfügen, um Einsamkeit konstruktiv zu bewältigen, während andere in ihrer Selbstwirksamkeit und Emotionsregulation gestärkt werden müssen.
Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass Einsamkeit im Grundschulalter ein ernstzunehmendes, aber adressierbares Thema ist. Prävention sollte daher an den bestehenden Ressourcen und Perspektiven der Kinder ansetzen.
Das Modellprojekt INSPIRE YOUTH zielt auf einen ganzheitlichen Ansatz, nutzt bereits vorhandene Potentiale und trägt mit dazu bei, Einsamkeitsprävention im Kindesalter professionell zu stärken.
Kooperationspartner*innen:
AWO Ruhr-Mitte
AWO Gelsenkirchen/Bottrop
Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS e.V.)
Fact Sheet Modellprojekt INSPIRE YOUTH
Wissenschaftlicher Zwischenbericht Modellprojekt INSPIRE YOUTH
(Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.)
Kontakt
Muna Hischma
Abteilungsleitung SozialesGefördert von: