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©Foto von Roman Kraft auf Unsplash

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Fachkonferenz zum Projekt Inspire Youth: Über 100 Fachleute diskutieren Zwischenergebnis

Einsamkeit im Grundschulalter rückt zunehmend in den Blick von Politik und Fachpraxis. Dazu hat der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen gemeinsam mit der Landesregierung, der Sozialstiftung NRW und dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) das Forschungsprojekt „Inspire Youth“ gestartet. Auf einer Fachkonferenz am 16. März trafen sich über 100 Fachleute in Gelsenkirchen, um erste Zwischenergebnisse zu diskutieren.

„Inspire Youth“ untersucht an zehn Offenen Ganztagsschulen in Bochum und Gelsenkirchen, wie Grundschulkinder Einsamkeit verstehen und wie sie damit umgehen. Es ist die erste Studie, die sich in NRW mit diesem Thema befasst.

„Unser Ziel ist es, Einsamkeit bei Kindern frühzeitig zu erkennen, bevor es zu psychischen Belastungen kommt“, so Muna Hischma, Abteilungsleiterin „Soziales“ beim Bezirksverband Westliches Westfalen mit Sitz in Dortmund.

Erste Zwischenergebnisse des Forschungsprojektes zeigen, dass 32,9 % der Kinder angaben, nie einsam zu sein, 31,2 % selten, 24,0 % manchmal, 8,6 % oft und 3,3 % immer.
Kinder erlebten Einsamkeit vor allem als unmittelbar soziales und situatives Phänomen – also als etwas, das in ihren Beziehungen zu Gleichaltrigen entsteht, etwa wenn sie sich ausgeschlossen fühlen oder niemanden zum Spielen finden. Einsamkeitserfahrungen werden somit in erster Linie im schulischen Kontext erlebt.

Schulen im Fokus
„Das unterstreicht, dass Schulen zentrale Orte für die Prävention und den Umgang mit Einsamkeit darstellen: Hier verbringen Kinder den Großteil ihres Tages, hier entstehen Freundschaften, Zugehörigkeit und soziale Anerkennung – oder eben Erfahrungen von Zurückweisung und Isolation“, fasst Muna Hischma eine wichtige Erkenntnis des Zwischenberichts zusammen. 

Dr. Irina Volf, Direktorin des ISS dazu: „Gute Lösungen gelingen dann, wenn alle an einem Strang ziehen. Probleme dürfen nicht ausschließlich individualisiert betrachtet werden, es muss auf der strukturellen Ebene politische Lösungen geben,“ forderte Volf. Schule sei nach wie vor ein defizitorientiertes System. Nur wenn so früh wie möglich und möglichst kontinuierlich auf der strukturellen Ebene Unterstützung erfolge und ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werde, lasse sich auch verhindern, dass sich Defizite manifestieren. 

Studien belegten, dass Kinder aus armutsbetroffenen Familien gravierende Entwicklungsdefizite zeigten. „Wir müssen verhindern, dass insbesondere auch für diese Kinder das Risiko einer strukturellen Benachteiligung steigt“, mahnte Volf.

Stärkere Vernetzung
Prof. Dr. Michael Obermaier (Kath. Hochschule Köln) appellierte: „Das Projekt Inspire Youth nutzt die Potentiale, die schon da sind. Wir müssen stärker an der Vernetzung arbeiten. Es gibt kein zentrales Rezept, das Matching ist entscheidend.“ Insbesondere auch die Pausenzeit in den Schulen gelte es, als hochvulnerable Phasen zu beachten, da vor allem in dieser Zeit, die eigentlich als Erholung für die Kinder gedacht sei, Einsamkeit von Kindern erlebt werden könne, so Obermaier.

Andrea Lehmann, die im Projekt Workshops für Fachkräfte und Eltern durchführen wird, sprach einen ganz besonderen Aspekt an. „Niemand wird mit einem Tabu geboren. Wir sollten Kinder frühzeitig sensibilisieren und das Gefühl benennen. Kinder, Eltern und Fachkräfte müssen sprachfähig werden, und sich über das Gefühl austauschen, damit es gar nicht erst zu einem Tabu-Thema wird.“ 

„Mit der Fachkonferenz ist es uns aufgrund der hervorragenden Beiträge und des multiprofessionellen Dialoges gelungen, das Thema Einsamkeitsprävention sehr vertiefend und mit all seinen Facetten aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten,“ zieht Muna Hischma ein Resümee des Fachtages. 2027 wird die AWO Westliches Westfalen zur Abschlusstagung des Projektes einladen.

Link zu den Zwischenergebnissen der Studie und zu den Ergebnissen der Fachkonferenz

Wissenschaftlicher Zwischenbericht Modellprojekt INSPIRE YOUTH
(Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.)

v.l.n.r. Andrea Blome, Moderation Sebastian Watermeier, Vorstand UB Gelsenkirchen/Bottrop Franziska Myszor, Sozialstiftung NRW Dr. Irina Volf, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V.
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