Malerei mit Herz: Hermann Spanier stellt gemeinsam mit AWO-Atelier aus

03.05.2016

Ausstellung in Münster vereint Künstler mit Behinderung und den renommierten Münsteraner Maler

Malerei mit Menschlichkeit: Eine besondere Ausstellung wird vom 9. bis 19. Mai im LWL-Landeshaus in Münster gezeigt. Der renommierte Münsteraner Maler Hermann Spanier stellt dort gemeinsam mit dem Atelier WerkSTATTArbeit aus.
Das Atelier ist Teil der Werkstätten der AWO Dortmund GmbH und beschäftigt Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Die nahezu einzigartige Einrichtung wurde 2009 ins Leben gerufen. Je nach Talent und Interesse widmen sich die 15 Männer und Frauen der freien künstlerischen Arbeit oder der grafischen Gestaltung. Geleitet wird das AWO-Atelier von Hendrik Tasche und der Künstlerin Renate Frerich.

Viele Werke, die der renommierte Maler Hermann Spanier in Münster zeigt, wird er der AWO als Schenkung überlassen. Darüber hinaus fließen Teile des Verkaufserlöses in die gemeinnützige Arbeit des AWO-Ateliers. „Ich fühle mich dem Verband eng verbunden", so der 82-Jährige.
Spanier ist seit über 55 Jahren Mitglied der AWO und hat sie in vielen verschiedenen Funktionen mitgeprägt und mitgestaltet. Seinen Weg in den Wohlfahrtsverband fand er übrigens über seine Mutter: Sie arbeitete in den 1950er Jahren in einer AWO-Nähstube in Münster. Damals bot die Arbeiterwohlfahrt Jugendfreizeiten an, die den Kindern in der Nachkriegszeit ein wenig Abwechslung vom Alltag bescherten.

Auch beruflich stellte er sein Engagement in den Dienst des Verbandes. Von 1977 bis 1994 arbeitete er für die Westfalenfleiß gGmbH in Münster zunächst im sozialpädagogischen Bereich. Dort baute er eine kleine Druckerei auf, die kreative Erzeugnisse wie Plakate für die Einrichtung produzierte. Das Engagement für die Belange von Menschen mit Behinderung und der Inklusionsgedanke haben ihn stark geprägt.

Mit seinen Bildern möchte Spanier Geschichten erzählen, die er mit Sprache nicht ausdrücken kann. Wovon berichten diese Bilder? Vom Menschen mit all seinen Verflechtungen, Verstrickungen, Irrungen und Wirrungen. Er bannt sozusagen die Menschlichkeit auf die Leinwand. Dabei scheut er nicht davor zurück, soziale und gesellschaftliche Missstände anzusprechen. Spanier ist kein Maler, der „nur" Farben mischt, sondern der sich mit seinen Werken einmischt.

Stark geprägt haben ihn die Eindrücke des Krieges. Als Enkel des Dekorationsmalers und Restaurators Josef Urlaub wuchs er in Münster auf und lebt ab Kriegsbeginn 1939 auch auf dem Lande rund um seine Heimatstadt. Zerstörungen, Ruinen und Schutt, die Erfahrung der Verachtung alles Fremden, die Abkehr von der Mitmenschlichkeit, der allgegenwärtige Hunger, die Arbeit auf dem Lande und die allgemeine Armut begleiteten seine Kindheit. Diese Erfahrungen sowie die Lebensumstände, die seine Jugend nach dem Zweiten Weltkrieg prägten, haben sein künstlerisches Schicksal bestimmt. Nach Kriegsende traf er die Maler Busch, Pape, Pieper und Junglas - allesamt Mitglieder der Künstlervereinigung Schanze. Bei ihnen lernte er sein Handwerk.

Bereits seit 1960 zeigt er seine Werke mit wachsendem Erfolg. Im Jahre 2014 würdigte das Stadtmuseum Münster sein Schaffen mit einer Ausstellung anlässlich seines 80. Geburtstages.

Künstler-Trio der AWO-Werkstätten
Gemeinsam mit Hermann Spanier präsentieren sich drei gehörlose Künstlerinnen und  Künstler des Ateliers:

Isabelle Maciolek malt mit erstaunlicher Präzision. Ob Lavendelfelder, Leuchttürme oder die prächtige Landschaft rund um das Königsschloss Neuschwanstein - ihre realistische Malweise ist detailgetreu und perspektivisch. Die 44-Jährige schafft mit Acryl und Wasserfarbe leuchtende Kunstwerke, die erstaunlich echt wirken. Inspiration findet sie auf  Postkarten oder Kalenderbildern. Manchmal sind es Urlaubserinnerungen, die sie auf Papier bannt. Isabelle Macioleks hat wegen ihrer besonderen Fähigkeit schon zahlreiche Porträtaufträge erhalten.

Thomas Schmitz malt in erster Linie mit Wasserfarben und setzt damit sein Lieblingsmotiv in Szene. Im Zentrum seines Schaffens stehen lange Zeit Bäume, die er in kontrastreiche Umgebungen einbindet: Abstrakte Berge mit bewussten Schattenführungen und klaren Konturen. Der 47-Jährige steht für eine reduzierte Art der Darstellung, die er gerne mit Botschaften verbindet. Hier platziert er versteckte Kritik an Umweltzerstörung. Weitere Schwerpunkte seines Schaffens sind Darstellungen von Eisenbahnen und der Hardrock-Band „Kiss", deren Rhythmen er in spannungsvolle Bilder umwandelt.

Nadine Schulz spielt bewusst mit Weglassen. Ihre Zeichnungen bestechen durch eine ganz besondere Dynamik und Lebendigkeit, die sie erzeugt, indem sie stellenweise auf wichtige Details verzichtet. Die Kölner Rheinbrücke mit dem Dom im Hintergrund etwa hat die 30-Jährige in zahlreichen Varianten gezeichnet. Jedes Mal liegt der Fokus woanders: Auf den Details der Brücke oder den architektonischen Besonderheiten des Doms. Manchmal fehlen Fenster, oder Teile des Geländers - aber jedes Bild hat es besonderes und einzigartiges, obwohl es immer dasselbe Motiv zeigt. Ihre Themen sind in erster Linie außergewöhnliche Gebäude wie Kirchen oder Bahnhöfe.

Die Ausstellung von Hermann Spanier und dem Atelier WerkSTATTArbeit ist vom 9. bis 19. Mai 2016 im LWL-Landeshaus in Münster (Freiherr-vom-Stein-Platz 1 in 48147 Münster) zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 7.30 bis 18 Uhr.

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