Unbesetzte Ausbildungsplätze und gescheiterte Bewerber: Freie Wohlfahrtspflege NRW kritisiert Schieflage auf dem Ausbildungsmarkt

20.03.2019

Mehr Lehrstellen als Bewerber – Für NRW gilt diese positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt nicht. Wie der neue Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt, fanden im vergangenen Ausbildungsjahr rund 22.000 Bewerber nicht die gewünschte Lehrstelle, während knapp 10.000 Plätze unbesetzt blieben. Gleichzeitig wurden ausbildungsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen gestrichen.

„Die Statistik spiegelt sich in der Praxis unserer Einrichtungen der Jugendsozialarbeit leider auch wider“, erläutert Muna Hischma, Abteilungsleitung Soziales des AWO Bezirksverbandes Westliches Westfalen.  „Vor allem Jugendliche mit Hauptschulabschluss haben mit erheblichen Vorurteilen zu kämpfen. Die Chance auf ein persönliches Gespräch oder ein Probearbeiten bleibt ihnen oftmals verwehrt.“ Was den Jugendlichen hilft, sind individuelle Maßnahmen, die an den Stärken und Fähigkeiten der jungen Menschen ansetzen. Und es braucht Menschen an ihrer Seite, die sie darin unterstützen, ihren Weg in den Beruf zu finden. „Auch wenn dieser nicht immer geradlinig ist, müssen sich Unternehmen öffnen und jungen Menschen eine Chance geben“, fordert Hischma.

So bietet zum Beispiel die „Berufseinstiegsbegleitung“ als Element der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) einen unverzichtbaren Ansatz: Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschul- oder Förderschulabschluss und anschließend eine Ausbildung anstreben, auf diesem Weg aber besondere Unterstützung benötigen. Die Jugendlichen sollen den Schulabschluss erreichen, eine realistische Berufswahl treffen und einen passenden Ausbildungsplatz finden. Die Finanzierung der Maßnahme obliegt jeweils zur Hälfte der Bundesagentur für Arbeit und einer Kofinanzierung. Mit dem laufenden Schuljahr endet eine Kofinanzierungsperiode durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, gefördert durch Mittel des ESF. Eine Fortführung der Berufseinstiegsbegleitung ist nur durch eine künftige Kofinanzierung der Länder möglich. In Nordrhein-Westfalen steht die Förderzusage bis zum heutigen Tag aus.

„Die Entscheidung der Landesregierung sollte schnellstmöglich für eine Fortführung der äußerst erfolgreichen Berufseinstiegsbegleitung ausfallen. Sollte sich die Landesregierung gegen eine Kofinanzierung entscheiden, so würde sie auf einen Schlag mehrere tausend junge Menschen im Stich lassen!“ mahnt Hischma.

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